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Berufsbild Rentenberater

Die unbekannten Rechtsdienstleister

Rentenberater/innen sind Rechtsdienstleister, das bedeutet: Sie üben einen kleinen Ausschnitt dessen aus, was auch Rechtsanwälte tun, z.B. Rechtsberatung im Rentenrecht oder sie treten als Bevollmächtigte vor dem Sozialgericht auf. Es handelt sich um eine durch durch den Gesetzgeber (Rechtsdienstleistungsgesetz; RDG) geschützte Berufsbezeichnung. Um Rentenberater zu werden, muss man sich als Rentenberater registrieren bzw. zugelassen werden. Dazu müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Der Beruf des Rentenberaters bietet viele spannende Ausprägungen und ist sehr vielseitig. Allein das Themenfeld Betriebsrente ist schon sehr ergiebig.

Analog zu Rechtsanwälten verfügen Rentenberater nur über eingeschränkte Werbemöglichkeiten und sind deshalb in der Öffentlichkeit nicht so präsent. Weder Versicherungsfachleute, Finanzanlageberater, Vorsorgeexperten oder ähnliche Experten dürfen unter dieser Berufsbezeichnung auftreten, wenngleich sie auch sozialversicherungsrechtliche Beratung erbringen - jedoch nur als Nebenleistung um ihre Produkte beim Kunden exakt zu platzieren. Das ist der wesentliche Unterschied, denn Rentenberater haben Mandanten und keine Kunden. Rentenberater verkaufen keine Rentenvorsorgeprodukte, sondern erhalten ein Honorar auf Basis des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes für ihre Beratungsleistung. Sie haben sich nur den Interessen des Mandanten verschrieben.

Aufgabengebiet eines Rentenberaters

Die Arbeitsbereiche von Rentenberatern sind sehr vielfältig. Je nach Interessengebiet können die Schwerpunkte der Arbeit unterschiedlich gesetzt werden.

In der Regel sind Rentenberater freiberuflich tätig. Häufig findet man sie auch als Arbeitnehmer in (berufsständischen) Versorgungseinrichtungen oder Kanzleien von Rechtsanwälten und Steuerberatern.

In folgenden Rechtsgebieten werden Mandanten durch Rentenberater qualifiziert und unabhängig beraten und in Verwaltungsverfahren oder vor den deutschen Sozial- und Landessozialgerichten prozessual vertreten:

  • Gesetzliche Rentenversicherung
  • Gesetzliche Unfallversicherung
  • Soziales Entschädigungsrecht
  • Übriges Sozialversicherungs- und Schwerbehindertenrecht mit Bezug zur Rente
  • betriebliche und berufsständische Altersvorsorge

Wichtige Beratungsfelder im Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung sind, z.B.:

  • Durchführung von Rentenantragsverfahren für Altersrenten, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten Überprüfung von Rentenbescheiden
  • Rechtliche Vertretung in Widerspruchs-, Klage- und Berufungsverfahren
  • Durchführung von Kontenklärungen inklusive Beschaffung fehlender Unterlagen
  • Individuelle Analyse der aktuellen und zukünftigen Versorgungssituation, Ermittlung des günstigsten Zeitpunktes für den Übergang in die Rente
  • Erstellung von Rentengutachten mit alternativen Hochrechnungen
  • Beratung zur freiwilligen Rentenversicherung inklusive Rentabilitätsprüfung, ggf. Anmeldung zur freiwilligen Rentenversicherung
  • Beratung und Gutachten zum Versorgungsausgleich bei Ehescheidung
  • Beratung von deutschen Versicherten mit vorübergehendem oder dauerhaftem Aufenthalt/Wohnsitz im Ausland
  • Beratung von in der Bundesrepublik Deutschland versicherten ausländischen Arbeitnehmern und Familienangehörigen, insbesondere bei Rückkehr in die Herkunftsländer inklusive evtl. Anträge auf Beitragserstattung

Vergütung von Rentenberatern

Grundlage der Vergütung von Rentenberatern ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Die Kosten einer Rentenberatung werden durch den zu behandelnden Sachverhalt und dem damit einhergehenden Aufwand bestimmt. Erfolgshonorare sind bei Rentenberatern eher selten.

Einfluss auf das Honorar hat z.B. auch, ob die Angelegenheit außergerichtlich, im Widerspruchsverfahren erledigt werden kann oder im Klageverfahren einer entsprechenden Instanz ihren Verlauf nimmt. In der Praxis sind Vergütungsvereinbarungen zwischen Mandant und Rentenberater üblich. Solche Vereinbarungen sind nach §§ 3a und 34 des RVG zulässig, wenn sie schriftlich geschlossen werden.
Die Kosten einer Rechtsberatung oder Prozessvertretung durch Rentenberater sind i.d.R. von den Rechtsschutzversicherungen erstattungsfähig.

Der Markt

Im Vergleich zu 164.393 Rechtsanwälten im Jahr 2017 stellen die im Rechtsdienstleistungsregister registrierten Rentenberater/innen eine relativ kleine Gruppe von etwa 1.000 Rechtsberatern dar. In manchen Regionen finden Sie im Umkreis von 90 km keinen Rentenberater.

Viele Alterlaubnisinhaber gehen selbst in Rente. Da ist reichlich Platz für neue Kanzleien. Zusätzlich wächst die Anzahl der potenziellen Mandanten: Da sich die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung, aufgrund des demographischen Wandels voraussichtlich deutlich verändern wird, rechnen wir künftig mit immer mehr Rentnern. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der Menschen in der Altersgruppe 65+ um fast fünf Millionen auf dann 21,8 Millionen zunehmen. Weitere 10 Jahre später, also 2040 sind es dann schon 23,2 Millionen. Mit ihren Kompetenzen und Berechtigungen werden Rentenberater in Zukunft also zu gefragten Experten, welche die Altersplanung einer steigenden Anzahl Menschen an verschiedenen Stellen optimieren können.

(Daten von de.statista.com und Statistisches Bundesamt, Stand: 15.03.2018)

Mandanten und ihre Themen 

Arbeitnehmer

  • in allen Angelegenheiten der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Rentenverfahren (EMR, Altersrenten, Hinterbliebenenrenten)
  • Vorruhestandsregelungen
  • Altersteilzeit
  • Gesetzliche Unfallversicherung (Arbeitsunfall, Berufskrankheit)
  • Versorgungsausgleich
  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Schwerbehindertenrecht
  • Betriebliche Altersversorgung
  • Klärung rentenrechtlicher Zeiten
  • Beitragsangelegenheiten
  • Zeiten im Ausland
  • Vertretung in Widerspruchs- und Klageverfahren vor Sozial- und Landessozialgerichten

Selbständige, Freiberufler und Existenzgründer

  • Statusfeststellungen (z.B. für mitarbeitende Familienangehörige, Scheinselbständige, GmbH Gesellschafter-Geschäftsführer)
  • Sozialversicherungsrechtliche Fragen aller Art
  • Berufsständische Versorgung
  • Beitragsangelegenheiten
  • Berufsgenossenschaft Beiträge (Veranlagung, Gefahrtarif)
  • Wirtschaftlichkeitsberechnungen
  • Künstlersozialversicherung

Unternehmen und Personalabteilungen

  • Versorgungswerke bei betrieblicher Altersversorgung (Betriebsrente)
  • Recht auf Entgeltumwandlung und Sozialpartnermodell
  • Vorruhestandsregelungen, Sozialpläne, Abfindungen
  • Altersteilzeitmodelle
  • Zeitwertkonten
  • Sozialversicherungsrechtliche Beurteilungen aller Art
  • Beitragsangelegenheiten (SV, BG)
  • Abstimmung und Zusammenarbeit mit Steuerberatern

Berufsethos

Das Berufsbild Rentenberater unterliegt einem gewissen Berufsethos. Generell haben sich freiberuflich tätige Rentenberater, wie auch Anwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer u. a. sich selbst und ihre Mandanten vor eigenen Interessenskonflikten mit anderen Betätigungen zu schützen (sofern nicht ohnehin schon durch das Gesetz Einschränkungen existieren). Eine Rechtsberatung sollte einzig und allein nur im Interesse des Mandanten erfolgen. Auch ein Anwalt wird Ihnen neben der Rechtsberatung keine Versicherung oder Geldanlage verkaufen.

Dennoch gibt es einzelne Zulassungen natürlicher und/oder juristischer Personen, welche gleichzeitig einer gewerblichen Tätigkeit nachgehen. Dies können nur Einzelfallentscheidungen sein, welche ihre besonderen, guten Gründe haben.

Berufschancen als Rentenberater/in

Die Auseinandersetzung mit diesem Berufsbild kann sich in zweifacher Weise lohnen: z.B. falls Sie selbst Beratungsbedarf haben oder für den Fall, dass Sie eine berufliche Veränderung planen. Vielleicht besitzen Sie in den genannten Themengebieten Fähigkeiten und Erfahrungen und verfügen über gute Kontakte zu potenziellen Mandanten? Eine Spezialisierung führt auch zu Kooperationen mit anderen Rentenberatern oder Rechtsanwälten. Der Markt ist da und die Anzahl der aktiven Rentenberater ist deutschlandweit sehr überschaubar. Suchen Sie doch im Rechtsdienstleistungsregister einmal Registrierte in Ihrer Region.

In unseren Sachkundelehrgängen vermitteln wir die für die Registrierung notwendige theoretische Sachkunde. Weitere Informationen zur Zulassung zum Rentenberater finden Sie hier.

Lena Brem

Lena Brem

Programm Managerin Weiterbildung

Tel: +49 6221 716-9891

Kooperationspartner

IHK Rhein-Neckar
Bundesverband der Rentenberater